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Rattenfänger von Hameln - Weserbergland-regional

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Rattenfänger von Hameln
Mörsperg-Chronik, Augustin von Mörsperg, 1592 (Reproduktion)
Foto: Museum Hameln
Am 26. Juni 1284 zieht ein buntgekleideter Mann mit einem Musikinstrument nach Hameln ein – und 130 Kinder folgen ihm aus der Stadt. Aus dieser Begebenheit entwickelt sich im Laufe der Zeit die weltbekannte Rattenfängersage, die noch heute Touristen aus aller Welt in die Stadt an der Weser lockt. Aber wie wurde der Mann zum Rattenfänger? Waren es wirklich Kinder, die ihm folgten? Spielte er Flöte oder gar eine Trommel? Diese Fragen, und viele andere, finden Antworten im Museum Hameln, welches auch die wohl weltweit größte Rattenfängersammlung hat.
(Text: Museum Hameln)
Die Sage vom Rattenfänger von Hameln

Die Kinder zu Hameln

Im Jahr 1284 ließ sich zu Hameln ein  wunderlicher Mann sehen. Er hatte einen Rock von vielfarbigem, buntem  Tuch an, weshalb er Bundting soll geheißen haben, und gab sich für einen  Rattenfänger aus indem er versprach, gegen ein gewisses Geld die Stadt  von allen Mäusen und Ratten zu befreien. Die Bürger wurden mit ihm einig  und versicherten ihm einen bestimmten Lohn. Der Rattenfänger zog  demnach ein Pfeifchen heraus und pfiff, da kamen alsbald die Ratten und  Mäuse aus allen Häusern hervorgekrochen und sammelten sich um ihn herum.  Als er nun meinte, es wäre keine zurück, ging er hinaus, und der ganze  Haufen folgte ihm, und so führte er sie an die Weser, dort schürzte er  seine Kleider und trat in das Wasser, worauf ihm alle die Tiere folgten  und hineinstürzend ertranken.

Nachdem die Bürger aber von ihrer  Plage befreit waren, reute sie der versprochene Lohn, und sie  verweigerten ihn dem Mann unter allerlei Ausflüchten, so daß er zornig  und erbittert wegging. Am 26. Juni auf Johannis- und Paulitag, morgens  früh sieben Uhr, nach andern zu Mittag, erschien er wieder, jetzt in  Gestalt eines Jägers, erschrecklichen Angesichts, mit einem roten,  wunderlichen Hut, und ließ seine Pfeife in den Gassen hören. Alsbald  kamen diesmal nicht Ratten und Mäuse, sondern Kinder, Knaben und  Mägdlein vom vierten Jahr an in großer Anzahl gelaufen, worunter auch  die schon erwachsene Tochter des Bürgermeisters war. Der ganze Schwarm  folgte ihm nach, und er führte sie hinaus in einen Berg, wo er mit ihnen  verschwand. Dies hatte ein Kindermädchen gesehen, welches mit einem  Kind auf dem Arm von fern nachgezogen war, danach umkehrte und das  Gerücht in die Stadt brachte. Die Eltern liefen haufenweise vor alle  Tore und suchten mit betrübtem Herzen ihre Kinder, die Mütter erhoben  ein jämmerliches Schreien und Weinen. Von Stunde an wurden Boten zu  Wasser und Land an alle Orte herumgeschickt, zu erkundigen, ob man die  Kinder oder auch nur etliche gesehen, aber alles war vergeblich. Es  waren im ganzen hundertunddreißig verloren. Zwei sollen, wie einige  sagen, sich verspätet und zurückgekommen sein, wovon aber das eine  blind, das andere stumm gewesen, so daß das blinde den Ort nicht hat  zeigen können, aber wohl erzählen, wie sie dem Spielmann gefolgt wären;  das stumme aber den Ort gewiesen, ob es gleich nichts gehört. Ein  Knäblein war im Hemd mitgelaufen und kehrte um, seinen Rock zu holen,  wodurch es dem Unglück entgangen; denn als es zurückkam, waren die  andern schon in der Grube eines Hügels, die noch gezeigt wird,  verschwunden.

Die Straße, auf der die Kinder zum Tor  hinausgegangen, hieß noch in der Mitte des XVIII. Jahrhunderts (wohl  noch heute) die bunge-lose (trommel-, tonlose, stille), weil kein Tanz  darin geschehen noch Saitenspiel durfte gerührt werden. Ja, wenn eine  Braut mit Musik zur Kirche gebracht ward, mußten die Spielleute über die  Gasse hin stillschweigen. Der Berg bei Hameln, wo die Kinder  verschwanden, heißt der Poppenberg, wo links und rechts zwei Steine in  Kreuzform sind aufgerichtet worden. Einige sagen, die Kinder wären in  eine Höhle geführt worden und in Siebenbürgen wieder herausgekommen.

Die  Bürger von Hameln haben die Begebenheit in ihr Stadtbuch einzeichnen  lassen und pflegten in ihren Ausschreiben nach dem Verlust ihrer Kinder  Jahr und Tag zu zählen. Nach Seyfried ist der 22. statt des 26. Juni im  Stadtbuch angegeben. An dem Rathaus standen folgende Zeilen:

Im Jahr 1284 na Christi gebort
to Hamel worden uthgevort
hundert und dreißig Kinder dasülvest geborn
dorch einen Piper under den Köppen verlorn.

Und an der neuen Pforte:

Centum ter denos cum magus ab urbe puellos
duxerat ante annos CCLXXII condita fuit.

Im  Jahre 1572 ließ der Bürgermeister die Geschichte in die Kirchenfenster  abbilden mit der nötigen Überschrift, welche größtenteils unleserlich  geworden. Auch ist eine Münze darauf geprägt.

aus Hermann Grimm: Deutsche Sagen, 3. Auflage 1891
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